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Geschichte der Pferdephysiotherapie

Die Geschichte der Pferdephysiotherapie in Deutschland

Seit das Pferd in Menschenhand Dienste tut, ersuchen Heilkundige es flott zu machen, wenn es nicht so läuft, wie es soll. Mit Wärme und Massage standen uns Menschen seit jeher effektive Mittel zur Verfügung, um unserem Fortbewegungsmittel Pferd wieder auf die Sprünge zu helfen. Eine dicke Strohschicht auf den Pferderücken gelegt, mit einer Decke darauf, ist ein altes Hausmittel, um das Pferd zu erwärmen. Vermutlich sind Wärmepackungen zum Beispiel mit gestampften Kartoffeln auf den verspannten Pferderücken gelegt worden. Kräutermischungen in Tinkturform wurden als „Muskelfluid“ angewandt, um damit das Pferd kräftig belebend einzureiben. Von definierten, erlernbaren Massagegriffen sowie gezielten Techniken zur Lockerung von Muskeln und Gelenken des Pferdes ist mir nichts bekannt. Das sogenannte „Einrenken“ wurde allerdings schon immer praktiziert und ist von Stallmeister zu Stallbursche weiter gegeben worden.

Die Anfänge in der Pferdephysiotherapie in Deutschland sind hier für die ersten 10 Jahre aufgelistet:

Seminare für TTouch nach Linda Tellington-Jones

Linda Tellington-Jones “Getting in TTouch” 1995
Gezielte, beschriebene Massagegriffe für bestimmte Körperbereiche mit definierten Zielen hat erstmals Linda Tellington-Jones angewendet und veröffentlicht. Sie begann mit ihrer Arbeit 1975 an schwierigen Pferden und dann auch an anderen Tieren. Sie baute ein Seminarsystem auf. Dann erschien ihr erstes Buch „Getting in TTouch“, worauf zahlreiche weitere Bücher folgten.

Frau Tellington-Jones und ihre Studentinnen sind nur zu vereinzelten, schwierigen Fällen gerufen worden. Von Behandlungen im Turniersport-Bereich versprachen sich die Besitzer bessere Leistungen der Pferde.

Seminare in Stresspunkt-Massage

Chris Olsen “Druckpunktsystem” 1997
Jack Meagher “Muskelprobleme bei Pferden” 1998
Etwa zeitgleich wurden die Arbeiten von Olsen und Meagher veröffentlicht. Sie arbeiteten ähnlich am Pferd, indem diese bestimmte Punkte in der Muskulatur beschrieben, die gezielt massiert wurden. Auf diese Weise sollte der verspannte Muskel gelockert werden. Die Autoren stellten Kartensysteme dar, auf denen die Muskeln bestimmte Punkte ausbilden, die im Verspannungsfalle schmerzhaft sind und dann gedrückt werden.

Seminar-Teilnehmer aus diesen Kursen sowie Autodidakten, die sich das Wissen durch Lesen dieser Bücher aneigneten, begannen Sportpferde sowie die eigenen Pferde und die von Freunden mit Druckpunkten auf die Muskulatur zu behandeln. Erste Erfahrungen wurden gesammelt.

Seminare für Tierärzte in Dehnungen und Chiropraktik

Prof. Denoix und J.-P. Pailloux „Physiotherapie und Massage bei Pferden“ 1997
In ihrem Buch wurden erstmals biomechanische Zusammenhänge der Muskulatur in der Funktion beschrieben und Forschungen zu Pferdebewegungen erstmals dargestellt. Im Therapieteil wurde mit gezielten Dehnungen zur Behandlung von verspannten Muskeln gearbeitet.

Zu der Druckpunktmassage wurden hier nun Dehnungen eines jeden einzelnen Muskels beschrieben, die nunmehr von Autodidakten in die Behandlung miteinbezogen wurden.

Walter Salomon „Die energetische Behandlung des Pferdes“ 1998
Mit Techniken aus der Akupressur, dem Massieren von Meridianen, aus der Kinesiologie sowie mit Hilfe von Farblichtern und Homöopathie wurden die Spannungsprobleme des Pferdes behandelt. Daraus entwickelte sich schließlich der Ausbildungsgang „Energetische Pferde-Osteopathie nach Salomon“.

Ausbildung „Energetische Pferde Osteopathie nach Salomon – EPOS“/Meersburg

Dr. Ina Gösmeier „Akupressur für Pferde“ 1999
Mit diesem Buch betrat damals der Leser/die Leserin das erste Mal die Welt der Energie-Meridiane. Funktionszusammenhänge von Pferdetypen mit spezifischen Bewegungsstörungen wurden beschrieben. Dazu wurden Akupunktur-Punkte präsentiert, mit deren Hilfe per Massage derselben Einfluss auf die Bewegungsstörungen und Muskelspannungen genommen werden konnte.

Die ersten Pferde-Therapeuten begannen nun, mit Lasergeräten, Farblampen, Holzstäbchen und feinen Berührungen die Pferde auf eine deutlich sanftere Art zu behandeln.

Deutsches Institut für Pferdeosteopathie – DIPO/Dülmen

Institut für Pferdephysiotherapie – IPP/Coburg

Beatrix Schulte-Wien, Gesundes Pferd „Osteopathie“ 2000
Tanja Richter (verh. Ulbrich), Gesundes Pferd „Massage“ 2000
Zeitgleich im selben Verlag erschienen die Erstwerke dieser Autorinnen. Frau Schulte-Wien hatte derzeit mit Pascal Evrard einen Lehrer für Pferde-Osteopathie an ihrer kurz zuvor gegründeten Schule und schrieb die ersten Erkenntnisse daraus in das Buch „Osteopathie“. Tanja Richter (damals unter dem Namen „Ulbrich“) war seit 1995 aktiv in Pferdephysiotherapie unterwegs. Sie übertrug autodidaktisch Techniken aus der Manuellen Therapie auf das Pferd, recherchierte viel und brachte ihre ersten Erkenntnisse in das Buch, welches unter dem Titel „Massage“ veröffentlicht wurde.
Beide Autorinnen gründeten hernach ihre noch heute aktiven Schulen für Pferdephysiotherapie, Osteotherapie (DIPO) und Manuelle Therapie (IPP/MTAP).

Barbara Welter-Böller „Fachschule für osteopathische Pferdetherapie“

Pauli Grönberg „ABC of the horse“ 2002
Ein Anatomiebuch mit klar gezeichneten Knochen und Muskeln begeisterte seinerzeit die junge Pferdephysiotherapie. Somit konnte die Anatomie besser verstanden werden. Im hinteren Drittel beschrieb Grönberg Dehntechniken für die einzelnen
Muskeln.

Zunehmend Pferde aus dem Freizeitbereich wurden nun durch fachkundige Pferde-Physiotherapeuten gezielt untersucht und definiert behandelt. Die Handgriffe konnten nunmehr durch genauere Erkenntnisse der Anatomie und wissenschaftliches Hinterfragen der Wirksamkeit verbessert werden.

Dr. Dominique Giniaux „Osteopathie beim Pferd“ 2002
Er lehrte bereits einige Jahre Tierärzte in Chiropraktik am Pferd, bis er seine Kenntnisse in diesem Buch niederschrieb. Die chiropraktischen Handgriffe beinhalteten lange Hebel. Die Diagnose erfolgte per Schmerzreaktion auf einen Akupunkturpunkt.

Pascal Evrard „Lehrbuch der Strukturellen Osteopathie beim Pferd“ 2002
Evrard kann als der eigentliche Gründer der Pferdeosteopathie in Deutschland bezeichnet werden. Er besaß hervorragende, detaillierte Kenntnisse über die Anatomie des Pferdes und benutzte gezielte Untersuchungsgriffe, um Blockierungen festzustellen. Die Therapie derselben erfolgte durch feine, gezielte Impulse. Er lehrte zuvor in Dülmen bei Schulte-Wien, gründete hernach seine eigene Pferde-Osteopathie-Schule nach Erscheinen seines ersten Werkes, worauf noch ein weiteres für die Kraniosakrale Therapie folgte.

Insbesondere Tierärztinnen und Tierärzte interessierten sich für Chiropraktische Methoden am Pferd, da diese eine kürzere Behandlungszeit bei eventuell höherem Nutzen versprachen. Häufig wurde zeitgleich die Akupunktur angewendet, die ebenso neuerdings am Pferd aufkam.

Deutsche Gesellschaft für Tierphysiotherapie DGT / Gelsenkirchen

Brigitte Salomon (geb. Bäcker) „Kraniosakrale Therapie bei Pferden“ 2003
Die Spät-Einsteigerin in der Pferdemedizin besaß außergewöhnliche Talente, die Schwingungen des Pferdes zu fühlen. In der Schule mit ihrem Mann Walter Salomon lehrte sie die Kraniosakrale Therapie am Pferd in Österreich. Außerdem war sie eine begnadete Kinesiologin für Menschen, welches sie auf das Pferd übertrug. Mit ihrem Werk über das Kranium des Pferdes führte sie die junge Leserschaft erstmals in die feine osteopathische Welt ein.

Auch das humane Upledger Institut nahm die Idee der Kraniosakralen Therapie am Pferd auf. Und es wurden erste Seminare in Viszeraler Osteopathie am Pferd angeboten. Die ausgebildeten Therapeuten berührten nunmehr noch das Pferd mit hoher Konzentration.

Stefan Stammer Gesundes Pferd „Physiotherapie“ 2004
Ebenfalls in der Reihe Gesundes Pferd erschien das gelungene Buch „Physiotherapie“. Stammer lernte und lehrte einst bei DIPO, bis er seine eigene Schule gründete. Von ihm sind weitere Werke erschienen. Stammer veröffentlicht regelmäßig in Fachzeitschriften.

Berufskolleg Waldenburg, Lehrgang Pferdephysiotherapie /Waldenburg

Vierbeiner Reha-Zentrum Lehrgänge für Tierarzthelferinnen und Tierärzte in Physiotherapie an Hund und Pferd / Bad Wildungen

Tanja Richter „Manuelle Therapie der Pferdewirbelsäule“ 2005
Nach dem Lehrauftrag für Tierärzte für Manuelle Therapie am Pferd sowie 10-jähriger Therapie-Erfahrungen schrieb Richter die Grundsätze der Manuellen Medizin am Menschen, die sie erlernte, nieder sowie ihre Erfahrungen mit dieser Methode am Pferd. Sie beschrieb funktionelle Zusammenhänge von Schmerzen und Blockierungen und gab gezielte, diagnostische und therapeutische Handgriffe dem Leser in die Hand.

Seminare in Manueller Therapie am Pferd – MTAP/ Coburg

Mittlerweile wurde die Pferdephysiotherapie im Breitensport und Freizeitbereich zur Normalität. Erste Zusammenarbeiten zwischen Tierärzten und Pferdephysiotherapeut/innen entstanden.

Prof. Dr. Rautenfels „Manuelle Lymphdrainage beim Pferd“ 2005
Mit seinen Assistenten forschte Rautenfels in der Tier-Universtität Hannover am Lymphsystem des Pferdes. Er bot hernach Seminare in der Universität zur Manuellen Lymphdrainage an.
Rautenfels lud seinerzeit auch zu einer regelmäßigen Expertenkommission Tierphysiotherapie ein. Nach einigen Sitzungen wurden diese Treffen wegen Uneinigkeiten aufgegeben.

Claus Teslau “Stresspunktmassage nach Meagher” 2006
Teslau griff die Stresspunkte nach Meagher auf und konnte diese als nunmehr besser erforschte Triggerpunkte darstellen. Teslau lehrte bei DIPO diese Technik den Studenten in Pferdephysiotherapie.

Institut für Tierheilkunde – IFT , Ausbildungsgang in Tierphysiotherapie

Helle Kleven „Biomechanik und Physiotherapie für Pferde“ 2009
Frau Kleven war Pferdephysiotherapeutin der ersten Stunde. Sie lehrte bis dahin für die FN im Ausbildungsgang Pferdephysiotherapie. Erst 2009 kam ihr Werk auf den Markt.

Akademie für Tiernaturheilkunde – ATM, Ausbildungsgang in Pferdephysiotherapie

Einige Schulen aus dieser Zeit bestehen nicht mehr, andere Ausbildungsgänge in Pferdephysiotherapie haben sich erweitert. Neue Schulen sind entstanden, die zwischenzeitlich ihre Lehrtätigkeit wieder aufgaben. Aus holprigen Anfängen mit nicht immer wissenschaftlich haltbaren Lehren zur Physiotherapie am Pferd haben sich alle Kolleginnen und Kollegen in Praxis und Lehrtätigkeit weiterentwickelt.*

Mittlerweile ist es normal, für das eigene Pferd einen Stab an Pferde-Fach-Berufen zu nennen. So kann jeder Pferdebesitzer für sein Pferd einen Tierarzt, einen Hufschmied, einen Hufbearbeiter, einen Reitlehrer, einen Pferdephysiotherapeuten, einen Pferde-Trainer, einen Dentisten, einen Homöopathen und einen Futterberater zu Rate ziehen. Pferdephysiotherapeuten werden sogar häufiger hinzu gezogen als Tierärzte, was eine statistische Auswertung von 3000 Pferdebesitzern in Deutschland und der Schweiz ergeben hat. Das betont die besondere Verantwortung der Pferdephysiotherapeutinnen und Pferdephysiotherapeuten. In den Ländern, in denen dieser Berufsstand selbstverständlich aktiv ist, besteht ein hoher Aufklärungsstand über das Bewegungssystems des Pferdes. In Ländern, in denen die Pferdephysiotherapie durch Therapeuten verboten ist (nurmehr Tierärzten vorbehalten), wie in Österreich, fällt der schlechtere Gesundheitszustand der Pferde bei Besuchen in diesem schönen Land auf. Offenbar tragen wir Pferdephysiotherapeuten durch die Begleitung des Pferd-Reiter-Paares zu einem verbesserten Gesundheitszustand des Bewegungssystems bei.

*Ich bitte all diejenigen Schulen und Namen, die mir entweder entfallen sind oder von denen ich keine Kenntnis hatte, sich zu äußern, damit ich diese in den Zeitraum der hier genannten ersten 10 Jahre der Pferdephysiotherapie in Deutschland einfügen kann. Vorab mit der Bitte um Entschuldigung.